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Presse | 08-08-06

Zangenspezialist greift nach neuen Märkten
Firmengruppe nws Solingen und Steinbach-Hallenberg baut neuen Standort Schwarza aus

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Steinbach-HallenbergDer in Thüringen und Nordrhein-Westfalen ansässige Werkzeughersteller nws schmiedet Erweiterungspläne.

Neben dem Werk in Steinbach-Hallenberg wird derzeit ein zweiter Produktionsstandort im benachbarten Schwarza ausgebaut. In den nächsten Jahren soll der Personalstamm in Thüringen schrittweise auf mehr als 100 Mitarbeiter wachsen. Der Firmensitz in Solingen mit rund 50 Beschäftigten bleibt erhalten.

Thomas Küll langt sich eine der Zangen, die mehr als nur schmückendes Beiwerk im Konferenzraum sind: „So ein ähnliches Produkt kriegen sie schon für 1,80 Euro aus Asien. Dafür kriegen wir nicht einmal das Material“, sagt der Geschäftsführer der Unternehmensgruppe, dessen Worte wie Hammerschläge niedersausen. „Und doch schaffen wir es immer wieder, die Kunden für unsere Premiumprodukte zu gewinnen. Wir werden immer etwas machen, was andere nicht haben.“

Tatsächlich stellt die für ihre Innovationskraft bekannte nws nicht nur hochwertige Werkzeuge her, sondern hat auch einen Quantensprung beim Qualitätsbegriff vollzogen. Qualität werde nicht diskutiert, sondern definiert, bekräftigt der 37-Jährige, der die Geschäfte etappenweise von Firmengründer Willibald Nöthen übernommen hat. Der Seniorchef, der auch seinen Lebensabend mit langen Arbeitstagen im Unternehmen verbringt, hatte vor nunmehr fast zwei Jahrzehnten die Steinbach-Hallenberger Niederlassung am Rasenmühenweg aufbaute. Dort gesellen sich die Geräusche der Bauwerkzeuge zu denen der Werkzeugmaschinen. Der Sanitärtrakt fast fertiggestellt. Nur im Flur müssen noch neue Fliesen verlegt werden. Der Maschinenraum dagegen bleibt noch einige Zeit Baustelle. Ein Teil der Ausrüstung wird abgebaut und nach Schwarza gebracht, neue Maschinen aufgebaut.

„Wir fassen viel Geld an und werden rund 1,5 Millionen Euro investieren. Davon 250 000 am Standort Steinbach-Hallenberg, der kernsaniert wird“, beschreibt Küll die Strategie. „Es werden zwei Vorzeigeobjekte“. Es war vor allem die räumliche Enge, die den Scheren- und Zangenspezialisten nws in den letzten Jahren mächtig zwickte. Zunächst hatte die Unternehmensführung einen großen Anbau vorgesehen. Doch dagegen formierte sich in der Umgebung Widerstand.

„An Landrat Luther, Bürgermeister Endter und Wirtschaftsförderer König hat es jedenfalls nicht gelegen. Die haben uns in jeder Hinsicht geholfen“, lobt Küll, der auch die außergewöhnlich gute Unterstützung durch die Arbeitsagentur rühmt. „Aber ansonsten sind wir so stark in unserem unternehmerischen Engagement worden, dass wir schon einmal über einen Umzug nach Gelsenkirchen sprachen. Dort gibt es auch prima Förderbedingungen.“

Dennoch wird die nws, dessen Unternehmensführung die Arbeit der Steinbacher sehr schätzt und sich auch sozial in der Pflicht sieht, nicht kneifen. In der Fabrik am Rasenmühlenweg sollen künftig 60 bis 65 Mitarbeiter, und somit mehr als bisher, beschäftigt werden. Und die Option auf einen Ausbau des Standortes wird nicht aufgegeben.

Doch zunächst hilft der „Glücksfall Schwarza“ aus der Klemme. Der einst dem Werkzeugbau Bocksberger beherbergende Betrieb, der vom Unternehmer verkauft wurde, bietet ausgezeichnete Bedingungen: Zwei lichtdurchflutete Produktionsebenen zu je 1000 Quadratmetern, einen Büro- und Sozialtrakt zu 400 Quadratmetern und eine riesige Grundfläche von 1,2 Hektar. Zudem verkürzen sich die Wege zur Autobahn. Ab Ende September soll der Teilumzug abgeschlossen und hier voll produziert und konstruiert werden.

„Das ist ein Steinbacher Kind“, sagt Küll, der sich die neue „S-Pipe“ schnappt und durch die Hand gleiten lässt. Die neue S-Maul Rohrzange rastet spielend leicht ein. Sie verändert andererseits auch nicht ungewollt ihre Position.

Zu den neuen Erzeugnissen, mit denen nws nach neuen Märkten greifen will, gehören auch eine Eckrohrzange, ein Hebel-Kraftseitenschneider und ein Hebel-Vornschneider.

Dass die Chinesen ihrerseits mit eiserner Hand ihre Werkzeugexporte nach Europa treiben, beunruhigt Küll nur bedingt. „Sie sind unsere erbitterten Konkurrenten“, sagt der Unternehmer, der schon als 21-jähriger Student voll im Geschäft stand. Dann vollzieht er noch einen Quantensprung und bringt indirekt eine Art strategische Allianz der deutschen Werkzeughersteller ins Gespräch. „Wir sind Wettbewerber, keine Feinde. Und wir sollten kooperieren“, betont er. Der Stahlgürtel, der ohnehin den Ruhrpott und Thüringen verbindet, könnte so noch enger gespannt werden.

Südthüringer Zeitung | 06. August 2008

   
       
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